Interview mit Fedcon-Macher Dirk Bartholomä

"Im Prinzip ist jede Con eine gute Con!“

 

In Deutschland haben sich in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe größerer und kleinerer Conventions und Events zum Thema Science Fiction und Fantasy etabliert. Mir erschien es besonders interessant, neben den bekannten Schauspielern und Schauspielerinnen einen der Macher zum Interview zu bitten, deren Arbeit und Person von der Öffentlichkeit sonst kaum oder wenig beachtet wird. Wer erschien da prädestinierter als Dirk Bartholomä, der seit Jahren mit der Fedcon die größte europäische Science Ficition Convention und seit kurzem auch die einzige Herr der Ringe Convention organisiert. Im Vorfeld der Fedcon XI hatte ein viel beschäftigter Dirk B. dankenswerter Zeit für mich und stellte sich einigen Fragen zur Person, der Federation Convention XI und der Zukunft der Fedcon. 

Frank Baring

 

Foto: Thomas Znarowski/Z-Art

FB: Hallo Dirk, vielen Dank das du Zeit für uns hast.

Dirk: Ich versuche mein möglichstes ...

FB: Gleich zu unserer ersten Frage: Wie wird man zum Berufs-Trekkie?

Dirk: Lehre, Ausbildung. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht! Man rutscht da so rein. Ich habe eigentlich ein ganz normalen Job, Groß- und Außenhandelskaufmann und habe danach ganz normal gearbeitet. ... Wir waren am Anfang 80 Leute, oder waren es 200 und irgendwann mal war ein Fernsehmagazin bei uns zu Hause und die haben Fotos von uns in Kostümen gemacht. Haben die ganze Wohnung dafür umgebaut; Pappaufsteller, Bücher, Star Trek T-Shirts. Die haben ein ganze Fotoserie von uns gemacht. In einer Zeitschrift haben sie einen zweiseitigen Farbartikel über den Star Trek Fanclub in Augsburg gebracht. Aufgrund dieses einen Artikels, damals gab es ja noch kein Internet, sondern es wurde mit Briefen, d.h. per Post gearbeitet, hatten wir innerhalb von einem Monat 5000 Briefe erhalten. Und haben demzufolge 2000 Mitglieder bekommen. Darauf folgten einige Fernsehauftritte, u.a. bei SAT.1 und das ging dann immer so weiter. Es wurde immer größer und natürlich mehr Arbeit. Es war oft so, das ich Abends um sechs nach Hause gekommen bin und bis weit nach Mitternacht gearbeitet habe, um die Postberge abzuarbeiten. Urlaub gab es nicht, Freizeit auch nicht und an Wochenenden haben wir die Zeitung gemacht. Nach 10 Jahren war es einfach zuviel. Da hatten wir ca. 4.000 Mitglieder und da habe ich entschlossen, das ich das ganze hauptberuflich mache. Dann ist das Ganze noch einmal auf 9000 Mitglieder gestiegen. Jetzt ist es wieder leicht gefallen. Ich mache dies nun seit ungefähr 8 Jahren hauptberuflich. Für mich ist natürlich noch viel dazugekommen, die Spaceview (SF-Magazin, die Red.), dann kam die Fed-Con (jährliches Fantreffen, die Red.), Onlineshops und seit kurzem die Herr der Ringe Convention. Es ist halt so, dass man da rein rutscht und sein Hobby zum Beruf macht. Dies haben viele versucht und sind damit gescheitert.

FB: Die Fed-Con gibt es jetzt seit 1995. Wie ist sie entstanden?

Dirk: Das hat sich so ergeben. Ich wusste damals, das es Conventions in Amerika gab und habe immer gelesen das es riesige Veranstaltungen mit Schauspielern in den USA stattfinden. Das war für uns einfach fantastisch, man konnte sich das gar nicht vorstellen, dass es so etwas gibt. In Deutschland gab es so etwas einfach nicht. Damals gab es in Deutschland diese Jugendherbergsconventions, die Wochenendconventions kennen ja sicher alle. Die Trewa-Con gibt es ja auch immer noch, eine Veranstaltung die eine Woche dauert. In Hamburg hat dann der hiesige Star Trek Club - der Norddeutsche Star Trek Fanclub USTFC - ein Jugendgästehaus angemietet, es waren ca. 100 Leute dort. Es kamen Richard Arnold und ein Stuntman von TNG. Dann haben Gründungsmitglieder des STCE in Nürnberg den Scotty (James Doohan) eingeladen. Erst danach haben ich in Augsburg die erste Con gemacht, d.h. so richtig groß im Hotel aufgezogen. Ich haben damals nur mit 250 Leuten gerechnet. Das Hotel war aber voll. Es kamen sage und schreibe 320 Leute. Wir konnten die Leute damals nicht mehr unterbringen, sie standen teilweise in den Gängen. Es war ein furchtbares Chaos. Wir hatten damals Chekov (Walter König) da, nun war aber die nächste Con erst 2 Jahre später. Die war dann schon in München im Arabella Hotel, wo wir bereits 600 Besucher hatten. Dort erlebten wir genau das gleiche, so gab es Familien mit weinenden Kindern, die auf der Rückreise von Italien waren und nicht mehr rein konnten, weil einfach kein Platz mehr war. Auf dieser Con waren George Takei (Sulu) und Robin Curtis (Saavik) als Gäste eingeladen. Riker (Jonathan Frakes) und Data (Brent Spinner) waren damals im Sheraton Hotel zu Gast und wir haben uns auf 1500 Teilnehmer verdoppelt und es war wieder voll. Deshalb sind wir ein Jahr später ins Maritim Hotel Bonn gewechselt. Seit dem ist es mit den Besucherzahlen relativ konstant geblieben, so haben wir manchmal 2000, manchmal 2500 Teilnehmer, wobei dann noch die Tageskarten, Presse, Frei- und Sponsorenkarten hinzukommen. Seitdem wir hier sind, ist es immer brechend voll. Wie ich mittlerweile mitbekommen habe, ist die Fed-Con inzwischen die größte Convention weltweit. Ich war vor zwei Wochen in Los Angeles auf der sogenannten großen Grand Slam Convention. Das war ein Trauerspiel. Freitag Abend waren 500 Leute, Samstag 2000 Leute und Sonntag 1500 da. Einfach traurig. Die Schauspieler, z.B. Lorenzo Lamas, haben teilweise in der Tiefgarage Autogramme geben müssen. Das war wirklich peinlich. Darum sind insbesondere die amerikanischen Schauspieler, die zu uns kommen, so begeistert.

FB: Gerüchteweise haben wir gehört, die Fed-Con und Star Trek Fan-Dokumentation "Trekkies II" hätten was miteinander zu tun ...

Dirk: Denise Crosby (Lt. Tasha Yar / TNG) ist in diesem Jahr hier, Sie hat ja die Fan-Doku "Trekkies" gedreht und hat die Fed-Con XI ausgewählt um Trekkies II zu drehen. Ca. 60 – 70 % ihres Filmmaterials wird hier gedreht werden. ...

(Anm.: Auch wir von den Dinnern in Gießen, Wetzlar und Marburg in der Leute für ein nachgestelltes Deutsches Dinner am Montag gesucht werden, um in der Doku als Teil der deutschen Fanszene gezeigt zu werden.)

Ja, zur Zeit werden gerade die deutschen Fans angesprochen, die Fed-Con soll für Trekkies II der Startpunkt sein. Eigentlich war auch eine englische Convention, die E-1, für die Dokumentation vorgesehen, aber die sind ja kürzlich pleite gegangen. Ich habe mit der E-1 zusammengearbeitet. Wir wollten uns die Schauspieler und Flugkosten teilen, dann sind sie pleite gegangen und ich musste nach London fliegen, um mir mein Geld zu holen. Ferner müsste ich auch noch die andere Hälfte der Flugtickets übernehmen.

 

[Foto: Z-Art,Thomas Znarowski]

FB: Wie kam es in diesem Jahr zur erneuten Absage von Terry Farrell (Star Trek: DS9, Jadzia Dax)?

Dirk: Das verstehe ich auch nicht, der Krieg war ja jetzt definitiv zu Ende. Ich vermute, das es wegen ihrem Mann war, denn die haben ja da drüben "High Terrorism Alert", gerade ihr Mann ist ein wenig  ängstlich und natürlich ein weiterer Grund ist ihre Gage.

(Anm.: Dann wollen wir hoffen, das nach zwei Absagen, es im nächsten Jahr beim dritten Mal klappt.)

Ich denke schon, das sie im kommenden Jahr auf der Fed-Con XII teilnehmen wird. Es ist ja schon peinlich. ...

(Anm.: Gegenüber den Fans ist es sicher schwer, zu erklären, wie dies zustande gekommen ist ...)

Wir haben noch nie einen Fan belogen oder betrogen. Wir haben mehr als genug Stargäste,  in diesem Jahr 16 Schauspieler. Als Ersatz für die beiden Absagen von Terry Farrell und Connor Trinneer (Star Trek: Enterprise, Trip) haben wir Nana Visitor (Star Trek: DS9, Kira Nerys) und Vaughn Armstrong (u.a. Star Trek: Enterprise, Adm. Forester).

FB: In diesem Jahr wird auf der Fedcon ein Bereich neu eingeführt, das sogenannte Fan-Forum. Was hat es damit auf sich?

Dirk: Die Foto-Sessions beruhen auf dem Drang der Fans, sich mit den Stars fotografieren zu lassen. Wir wollen das in diesem Jahr umsetzen. Wir haben einen professionellen Fotografen, der uns zugesichert hat, die Fotos über Nacht zu entwickeln. Die Fans können am Samstag Fotos machen lassen und sie am nächsten Tag abholen. Die Fan-Panels waren früher in den USA üblich. Die Fans werden hier über irgend ein Thema diskutieren, z.B. „Star Trek vs. Star Wars“. Hier geht es unter anderem um das Verhältnis zwischen den beiden Fan-Gruppen. Die Fan-Panels sind also Diskussionsrunden von Fans für Fans. Ein weiteres Thema ist: „Was findest du an Star Trek 10 schlecht ?“ Ein Fan hat sich sozusagen ein Thema ausgesucht, ist Diskussionsleiter und die Leute können sich dazusetzen und mitdiskutieren. Dies kommt in den USA offensichtlich gut an und die Resonanz im Internet hierzulande war auch sehr groß, folglich haben wir 10 verschiedene Fan-Panels.

FB: Eben fiel das Stichwort „Star Wars“. In Fankreisen wird diskutiert, ob es sinnvoll ist neben Star Trek Schauspielern, Darsteller aus Star Wars und anderen SF- sowie TV-Serien einzuladen?

Dirk: Ich möchte mich nicht einfach auf Star Trek festfahren lassen, denn so könnte es sein, dass man in zwei Jahren keine Con mehr macht. Man muss vielfältig sein, so haben wir mit James Masters,  wahnsinnig viele Buffy Fans (Anm.: Buffy die Vampirjägerin - Serie auf ProSieben) angesprochen, die nun wegen Anthony Stewart Head kommen. Vor zwei, drei Jahren haben wir mit Babylon 5 Stargästen angefangen und Ray Park ist in diesem Jahr der erste Darsteller aus Star Wars. Earth Final Conflict und Buck Rogers sind weitere Serien, bzw. Filme aus denen wir Gäste eingeladen haben. Diese Richtung wollen wir weiter verfolgen.

FB: Wie wird es mit der Fedcon in Zukunft weiter gehen?

Dirk: Für die nächste Fedcon haben wir bereits Larry Manetti (Magnum) und Lorenzo Lamas (Renegade - Gnadenlose Jagd) bereits können. Ich hoffe das wir weitere Darsteller verpflichten können die sich über Autogramme, die sie geben, finanzieren und das Con-Budget nicht so sehr belasten und die Fans, die sich für sie interessieren, können sich anmelden. (Anm.: Auch "Captain Kirk" William Shatner möchte die Fedcon noch einmal nach Deutschland holen!)

[Foto: Z-Art, Thomas Znarowski]

FB: Es haben ja bereits einige Federation Conventions stattgefunden. Gibt es eine Fed-Con, die Dir in besonderer Erinnerung geblieben ist?

Dirk: Eigentlich nicht. Stress gibt es auf jeder Con. Man sagt, wie bei den Star Trek Filmen, die Cons mit den geraden Nummern sind gut und die ungeraden schlecht, aber in Wirklichkeit ist umgekehrt ... (lacht) ... Dann müsste es jetzt eine gute Con werden. Im Prinzip ist jede Con eine gute Con. Ich erinnere mich, dass eine Con besonders heftig war. Die Fed-Con VI mit William Shatner (Cpt. Kirk / TOS) war schwierig, weil das Rheinschiff (Anm. der Redaktion: RPR1-Enterprise – Ausflugsschiff der Köln Düsseldorfer Reederei) nicht rechtzeitig zur Con fertig wurde. Eigentlich wollte ich das ganze absagen und den Leuten Ihr Geld zurückzahlen, aber mein Marketing-Chef aus Hannover sagte mir: „Keine Angst, das wird schon rechtzeitig fertig, die arbeiten Tag und Nacht, die haben sogar Arbeiter aus Polen geholt!“ und ich habe mich darauf verlassen, dass das Schiff rechtzeitig fertig wird. Es war natürlich nicht fertig. Die haben uns an die „Loreley“ als Ersatz vorbeigeschickt. Die Fans waren sauer und ich wurde sogar mit Flaschen beworfen. Das war ganz schön heftig und war eigentlich die einzig negative Erfahrung.

FB: Eine letzte und abschließende Frage bleibt uns noch. Viele Fans warten ja noch auf Patrick Stewart (Cpt. Picard / TNG). Gibt es eine Chance ihn nach Deutschland zu holen?

Dirk: Patrick Stewart ist ja schon über 60 und viel beschäftigt, so hat er jetzt X-Men II gedreht und dann noch die Theaterarbeit in England. Es ist einfach verdammt schwer an ihn heranzukommen, um nicht zu sagen unmöglich. Scott Bakula gehört auch zu denjenigen, die wir kaum bekommen. Sein Agent ist leider im Umgang sehr schwierig, Scott selber dagegen eher der kumpelhafte Typ. Die anderen Captains waren kein Problem, Avery Brooks hatten wir letztes Jahr, Kate Mulgrew und William Shatner waren ja auch bereits schon da. Jonathan Frakes ist ja auch schon recht anspruchsvoll und unnahbar geworden.

FB: Vielen Dank für das Gespräch und viel Glück für die Zukunft!

Dirk: Danke, gern geschehen.

[Das Interview führte Frank Baring, Thomas Znarowski machte die Fotos vor der Fedcon 11 (2003).]

 

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